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Freitag, 05 Januar 2024 10:14

Ein personzentriert-experienzieller Blick auf die Polyvagaltheorie

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Obwohl dies den Lesefluss beeinflusst entscheide ich mich für genderoffene Benennung von Personen.

 

Nun kannst du endlich wieder atmen
Du hast zurück was sie dir einmal nahmen
Dein Lieblingsspruch „her mit dem schönen Leben" [1]
Bleibt nicht länger eine Phrase

Refrain aus dem Lied „Atmen“ der Band Neonschwarz

([1] In der personzentrierten Theorie und Praxis oft „das gute Leben“ genannt)

 

Inhaltsverzeichnis

Die Polyvagaltheorie

Neuronale Subsysteme des autonomen Nervensystems

Neurozeption – Wahrnehmung unter der Schwelle der Gewahrwerdung

Sicherheit durch Verbundenheit

Bereiche des Erlebens von Sicherheit

Sicherheit in der therapeutischen Beziehung  des personzentrierten Ansatzes

Sicherheit durch den Körpereinbezug in die personzentrierte Praxis

Antworten auf wechselnde physiologische Zustände der Sicherheit aus der personzentrierten bzw. experienziellen Praxis

Literaturverzeichnis

 

Die Polyvagaltheorie

Physische, psychische und soziale Aspekte von Sicherheit

Neuronale Subsysteme des autonomen Nervensystems

Die pragmatische Suche nach Sicherheit, der körperliche Antrieb zu überleben, ist Lebewesen immanent. Die Polyvagaltheorie beschreibt aus einer neurobiologischen Sicht die Bedeutung von Sicherheit für das Individuum Mensch als Säugetier, welches prosoziale Interaktionen als Basis für Erhaltung und Entfaltung erlebt.

Anfangs geht es Dr. Stephen W. Porges bei seinen wissenschaftlichen Untersuchungen nicht darum, eine neue – mittlerweile etwa 40 Jahre alte – Theorie zu schaffen, doch führen seine Entdeckungen zu einem Umdenken in Bezug auf die Funktionsweise und Bedeutung des autonomen Nervensystems. Dieses ist verantwortlich für Aktivierung und Deaktivierung physiologischer Zustände unserer Organe.  Dazu teilt sich ein sympathischer Nervenstrang antagonistisch mit einem parasympathischen, oder auch vagal genannten Nervenstrang die homöostatische Regulation des Organismus und gemeinsam beeinflussen sie somit mentale, verhaltensbezogene und physiologische Prozesse.

Die Polyvagaltheorie reformuliert das Modell des autonomen Nervensystems, welches nunmehr drei evolutionsbiologisch entstandene Subsysteme benennt. Der sympathische Zweig entspringt dem Rückenmark und bereitet uns auf Handeln vor. Mittels Ausschüttung von Adrenalin mobilisiert er Energie für Kampf- oder Fluchtreaktionen. Der parasympathische Zweig tritt aus dem Hirnstamm aus und verläuft in zwei Richtungen. Neu in diesem Modell ist, dass das Vagussystem zwei getrennt aus dem Hirnstamm austretende Vaguspfade umfasst, die in ihrer Funktion unterschiedlich agieren. Abwärts zu Lunge, Herz, Zwerchfell und Magen und aufwärts zu Hals, Kehle, Augen und Ohren und sie übernehmen dabei auch zwei unterschiedliche Reaktionsweisen.

Das entwicklungsgeschichtlich jüngste Subsystem, der ventrale Vagus, ist mit auf Sicherheit basierender Aktivität und sozialer Verbundenheit assoziiert. In diesem Zustand „schlägt unser Herz regelmäßig, wir atmen tief und voll, nehmen Gesichter von Freunden offen auf und können unser Gehör auf Gespräche konzentrieren und ablenkende Geräusche ausblenden“ (Dana, 2019, S. 25). Dies hat Auswirkungen auf unsere Gesundheit, wie funktionierendes Immunsystem, regulierter Herzkreislauf, erholsamer Schlaf, gute Verdauung, verminderte Anfälligkeit für Krankheiten. Ausdruck findet im Alltag das Gefühl, sich in einem regulierten, strukturierten und geordneten Zustand zu befinden (vgl. ebd., S. 26).

Wenn wir einen Anflug von Unbehagen verspüren, wird der sympathische Zweig aktiviert, also ein evolutionär älteres Subsystem. Wir kommen in einen Zustand der Angst oder Wut und handeln in Form einer Kampf- oder Fluchtreaktion. Es fühlt sich etwa an wie „die Welt ist gefährlich, und ich muß mich vor Schädigungen schützen“ (ebd., S. 26). Gesundheitliche Folgen können Herzkrankheiten, Schlafprobleme, chronische Verspannungen, Magenprobleme, Angst, Panikattacken uvm. sein. Im Alltag macht dies schwierig in Beziehungen zu sein oder auch unfähig, sich zu konzentrieren und etwas zu Ende zu bringen (vgl. ebd., S. 26f).

Unser letzter Ausweg, wenn wir in der Falle sitzen und auch Kampf oder Flucht nicht helfen, ist die Notabschaltung. Dafür ist das älteste Subsystem, der dorsale Vagus, verantwortlich. Es entstehen Gefühle wie „hoffnungslos, benebelt, zu müde zum Denken und Handeln und die Welt als leer, tot und dunkel“ (ebd., S. 27). Wir erleben chronische Erschöpfung, Fibromyalgie, Magenprobleme, niedrigen Blutdruck uvm. Zu Problemen im Alltag zählen Dissoziation, Gedächtnisstörungen, Depression, Isolation und Mangel an Energie (vgl. ebd., S. 27).

„In einer schwierigen Situation greifen die Systeme jeweils auf einen älteren Schaltkreis zurück, und durch diese Adaption sichern sie unser Überleben“ (Porges, 2019, S. 38). Rogers (1951/1973, S. 421) schreibt dazu in seiner dritten These, „daß eines der grundlegenden Charakteristika des organischen Lebens seine Neigung zu totalen, organisierten, zielgerichteten Reaktionen ist. Das trifft für diejenigen Reaktionen zu, die in erster Linie physiologisch sind, aber auch auf die, die wir als die psychischen betrachten“.

Das lebende System, der Organismus, der sich in einer Koevolution mit seiner Umgebung befindet und mit ihr weiterentwickelt (vgl. Höger et al., 2012, S. 36ff), folgt dabei einer ihm innewohnenden Aktualisierungstendenz. Dieses entscheidende Prinzip der Evolution macht klar, dass in verschiedenen Entwicklungsphasen des Lebens bei den jeweiligen adaptiven Verhaltensweisen unterschiedliche neuronale Schaltkreise eine Rolle spielen (vgl. Porges, 2019, S. 36).

„Der Organismus will leben. Wir sind nämlich zuerst Pflanzen und dann Tiere und dann noch Menschen dazu und ich weiß nicht, was noch alles dazu. Etwas will leben. Es ist so arrangiert, dass es leben wird, wenn es nur kann. […] Lebewesen sind organisiert um vorwärts zu leben“ (Gendlin und Wiltschko, 2016, S. 53). Dementsprechend hat sich auch das autonome Nervensystem im Laufe seiner phylogenetischen Entwicklung sowohl in seiner Anlage als auch Funktion ausdifferenziert.

Der älteste Schaltkreis, der dorsale Vagus, ist bereits bei den meisten Wirbeltieren angelegt. Im Zustand der Sicherheit unterstützt er die Homöostase, bei Gefahr aktiviert er die Immobilisierung und die Erhaltung metabolischer Ressourcen. Für das Reptil gilt es den Herzschlag zu verringern, die Luft anzuhalten, abzutauchen und so das Überleben zu sichern, ohne sich zu schädigen. Beim Menschen schützt diese Reaktion vor physischem und psychischem Schmerz. Es kommt zu einer Verringerung der Sauerstoffversorgung des Gehirns und damit Einschränkung kognitiver Funktionen. Zeichen sind dissoziatives „Weggehen“, Personen können Worte und Klang der Stimme nicht hören und verstehen, auch nicht das Gesagte, sehen das Gegenüber nicht, nehmen die Situation unklar wahr. Auf der Suche nach Sicherheit bedeutet es die letzte Möglichkeit zu überleben, durch ein Verringern des Energiebedarfs durch Erstarren, das Unterbrechen von Verbindungen zu anderen und so einen schützenden kollabierten Zustand des Nicht-Gewahrseins herbeizuführen. Im Extremfall durch Ohnmacht (vgl. Dana, 2019, S. 36).

Mit Entstehung des sympathischen Zweiges als zweites Schutzsystem gibt es neben dem Erstarren eine weitere überlebenssichernde Reaktion. Es befähigt uns zu Kampf oder Flucht, wobei das Gefühl in Bewegung zu sein, seine Gliedmaßen zu nutzen dafür charakteristisch ist. Allerdings schneiden wir uns dadurch von der Co-Regulation durch andere Personen ab, was zu einem Gefühl von Isolation und Gefahr führt. In diesem Zustand wechselt das Hören von der Identifikation menschlicher Stimmen zum verstärkten Wahrnehmen und der Identifikation niedriger Frequenzen von Raubtieren einerseits und hohen Frequenzen von Schmerzschreien andererseits. Der Kortisolspiegel steigt an, das Herz schlägt schneller, Atmung erfolgt kurz und flach, der Zustand der Wachsamkeit ist erhöht, Signale aus der Umgebung werden falsch gedeutet. Ein sonst neutral erscheinendes Gesicht kann in diesem Zustand gefährlich erscheinen. Die Welt wird zu einem gefährlichen Ort, mit Menschen in Kontakt zu treten, ist für die Betroffenen ein viel zu großes Risiko (ebd., S. 38-39).

Mit dem Übergang zu den Säugetieren entwickelt sich ein zusätzlicher Zweig des Vagussystems, der ventrale Vagus und schafft die Voraussetzung für Aufmerksamkeit und Verbundenheit. Dieser innerviert neben über dem Zwerchfell liegenden Organen, wie Herz und Lunge, auch Hals, Ohren, Gesichts- und Kopfmuskulatur. Dies ermöglicht, uns gestisch und mimisch zu äußern sowie durch den Klang der Stimme und mit dem Blick mit anderen in Kontakt zu treten, ferner den Frequenzbereich der menschlichen Stimme aus den Hintergrundgeräuschen herauszufiltern und darauf zu fokussieren. Dies wiederum beeinflusst die Wahrnehmung, wie Personen zu anderen in Beziehung treten, konkret „verringert es die soziale Distanz“ (Porges, 2010, S. 35), ermöglicht Reziprozität und gegenseitige Regulation. Daher wird der ventrale Vagus auch „sozialer Vagus“ (Dana, 2019, S. 39) genannt, von Porges (2010, 2019) „social engagement system“, das System sozialen Engagements.

Der Mensch als Säugetier kann auf diese drei Überlebensmechanismus zurückgreifen und folgt dabei dem Konzept der Dissolution, wobei die höheren neuronalen Strukturen die niederen hemmen, so dass, wenn die höheren plötzlich funktionsunfähig werden, die Aktivität der niederen stärker wird. Der Wechsel von einem zum nächsten autonomen Zustand ist nicht bewusst steuerbar. Dabei stellen diese Strategien Reaktionen auf unterschiedliche Grade der Gefährdung dar, von Sicherheit über Gefahr zu Lebensgefahr (vgl. Porges, 2010, S. 167). Wichtig scheint, diese Strategien als adaptiv, der Wahrnehmung der momentanen Situation bestmöglich entsprechend zu verstehen.

Wir sprechen von einem Organismus, der seine innere Ordnung darauf ausgerichtet hat, bestmöglich zu seiner Erhaltung und Entfaltung beizutragen, der als „organisiertes Ganzes“ (Rogers (1951/1973, S. 421) kompensatorisch auf physiologische Phänomene reagiert und auf einem anderen Weg zum Ziel gelangt, wenn der eine Weg blockiert ist. Dies gelingt durch einen Wechsel in einen, der aktuell wahrgenommenen Situation besser entsprechenden physiologischen Zustand, mit dem existentiellen Ziel der Sicherheit und seines Überlebens.

Woran und wie erkennt nun der Organismus, ob er sich in einer sicheren, gefährlichen oder lebensbedrohlichen Situation befindet und wonach entscheidet dieser, um in einen der drei stets adaptiven autonomen Zustände zu wechseln, ob die Person prosoziales Verhalten oder defensive Verhaltensweisen des Kampfes, der Flucht oder des Erstarrens ausdrückt? Indem das Nervensystem unablässig sensorische Informationen aus der Umgebung und den Viszera verarbeitet, schätzt es den Grad an Sicherheit oder Bedrohung der aktuellen Situation ein. „Da die neuronale Gefahreneinschätzung keine Beteiligung des Bewußtseins erfordert“ (Porges, 2010 , S. 89), bezeichnet Porges diese unterschwellige Wahrnehmung als „Neurozeption“.

Neurozeption – Wahrnehmung unter der Schwelle der Gewahrwerdung

Die Aufgabe des autonomen Nervensystems, mit seinen vom zentralen Nervensystem zu den Zielorganen verlaufenden Nervenfasern, ist die Unterstützung dieser Organe bei der Aufrechterhaltung eines homöostatischen Gleichgewichts. Da das Vagussystem zu etwa 80% aus von den Organen zum Gehirn verlaufenden sensorischen Nervenfasern besteht, ist die weitere große Aufgabe die Informationsgewinnung und Weiterleitung dieser Informationen zum zentralen Nervensystem. Im Hirnstamm, dem die vagalen Nerven entspringen, „werden praktisch alle Informationen vom Körper gesammelt und alle Signale aus dem Gehirn gelangen von hier aus in den Körper“ (Porges, 2019, S. 95). „Dabei handelt es sich um eine Form des Erfassens, bei der weder Gewahrsein noch Bewußtsein eine Rolle spielt“ (ebd., S. 40).

Die der Situation entspringenden Phänomene werden mit Hilfe unserer sensorischen Kanäle erfasst, sei dies im Außen, mittels Wahrnehmung durch unsere Sinnesorgane, oder in unserem Körperinneren, über die bereits oben besprochenen afferenten Strukturen. Passend schreibt Gendlin (Gendlin und Wiltschko, 2016, S. 32f): „Der Körper […] besteht aus chemischen, elektrischen und anderen Wechselprozessen. In jeder Hinsicht ist andauernd Fortgang, ist Prozess. […] Wenn man den Körper als Wechselwirkung in einer Situation begreift – und nicht meint, er steht bloß in der Wechselwirkung –, kann man beginnen zu verstehen, wieso mein Körper mehr über meine Situation weiß als ich und wieso er sogar noch etwas finden kann, das über das, was ist, hinausgeht und neu ist. Denn der Körper ist die ungeteilte Vielheit der Situation.“ Genau diese ungeteilte Vielfalt der Situation spielt dabei eine so große Rolle beim Erfassen dessen, was in genau diesem Moment für den Organismus entscheidend ist, entscheidend für das Gefühl von Sicherheit oder eben Bedrohung. Unser Gehirn bewertet ständig die Bedrohlichkeit einer Situation, in der wir uns befinden. Hierbei kommt auch der Amygdala eine entscheidende Rolle zu, da sensorische Informationen direkt ohne Umweg über kortikale Strukturen an diese gelangen und dabei Abwehrreaktionen auslösen, ohne dass diese Reize im Bewusstsein repräsentiert sind. Abhängig davon, zu welcher Bewertung die Person unbewusst mittels Neurozeption gelangt, werden unterschiedliche Teile des Nervensystems aktiviert und einer der drei bereits bekannten autonomen Zustände, nämlich System sozialen Engagements, Kampf oder Flucht oder Erstarrung eingenommen (vgl. Lux, 2020, S. 6). In welchen Zustand die Person wechselt, hängt davon ab, wie sicher die Situation und das Gegenüber wahrgenommen werden, ob als sicher, bedrohlich oder lebensgefährlich.

Übernimmt das System sozialen Engagements, so fühlen wir uns sicher, unser Herzschlag befindet sich in einem Frequenzbereich, der auch einen ruhigen Atem zulässt, unsere Defensivsysteme sind abgeschwächt, Oxytocin und Vasopressin werden ausgeschüttet, wir gehen in sicheren Kontakt mit anderen Personen und befinden uns in einem Bereich, in dem Regeneration und Entfaltung geschehen. Wird jedoch Gefahr interpretiert, so übernehmen unsere beiden Defensivsysteme. Das sympathische Nervensystem übernimmt die Kontrolle, Adrenalin und Kortisol werden ausgeschüttet und auf Kampf-Flucht-Verhalten umgestellt. Dabei ist Kontakt mit anderen nur noch in dieser eingeschränkten Form möglich. Führt auch dieses Verhalten nicht dazu, uns wieder sicher zu fühlen, aktivieren wir den ältesten Schaltkreis, den dorsalen Vagus und erstarren. Mit diesem „Totstellen“ regulieren wir unseren Energieumsatz runter, schalten auf Erhaltung der notwendigsten Lebens­funktionen um, Kontakt ist nicht mehr möglich, wir versuchen unsichtbar zu sein und zu überleben.

Bei all diesen Prozessen, ausgehend von der unterschwelligen Wahrnehmung von Phänomenen bis hin zur autonomen Reaktion, erfolgt eine umfassende Kaskade an biopsychischen Funktionen auf unterschiedlichsten Ebenen: sensorisch, chemisch, mechanisch, elektrisch, psychisch-mental-behavorial. Ein bemerkenswertes Zusammenspiel an unterschiedlichsten autonomen, dem Bewusstsein nicht zugänglichen Funktionen. Ein Feedbacksystem, das eine situative Realität im Moment widerspiegelt. So, als würden wir die uns umgebende Natur anfragen und diese gibt die augenblickliche Bedeutung zurück. „Bevor das Gehirn versteht und einem Erlebnis einen Sinn zuschreibt, hat das ANS [autonome Nervensystem, Anm.] die Situation schon mit Hilfe der Neurozeption eingeschätzt und eine Reaktion eingeleitet“ (Dana, 2019, S. 47f). Somit bringt diese unbewusste Wahrnehmung eine adaptive Bewältigung als Antwort auf die sich darstellende Situation in Gang. Wir verhalten uns der Situation entsprechend, solange, bis sich die Situation ändert und wir aufgrund der ständigen Überwachung unseres Nervensystems eine neuerliche Beurteilung vornehmen, mit der wir in angepasster Weise auf diese Fortsetzung reagieren, eine aus der Perspektive des Nervensystems „Neu-Ordnung“ adaptiven Verhalten. Dieses adaptive autonome „Mitgehen“ im ständigen Wechsel uns umgebenden und innerlichen Erlebens, ermöglicht einen Ausgleich auf organischer und psychischer Ebene und mündet bestenfalls immer wieder im Erleben von Sicherheit und der damit einhergehenden psychischen und physischen Ausgeglichenheit und Möglichkeit zu Regeneration, Wachstum und Entfaltung.

Dieser ständige Wechsel im Erleben formt unser autonomes Nervensystem mit, so sind wir aufgrund unterschiedlich Erlebten auch individuell sehr unterschiedlich im aktuellen Erleben, haben unterschiedliche Reaktionsmuster auf die momentane Situation entwickelt. Wenngleich es im Erleben des gesamten Spektrums von Sicherheit über Bedrohung bis hin zu Lebensgefahr unter den Menschen gleichlaufende autonome Wahrnehmungen gibt. Ein Angriff auf das Leben bedeutet Lebensgefahr und wenn Kampf oder Flucht nicht zielführend sind, greifen wir auf Dissoziation oder Shutdown unseres Systems bis hin zur Ohnmacht zurück, um unser Überleben zu sichern.

Unterschwellige Wahrnehmung des Organismus, der Beurteilung von Sicherheit dienend und von Porges als Neurozeption bezeichnet, wurde wesentlich früher bereits von Rogers (1959/2016, S. 25) mit dem Begriff „subception“ folgendermaßen umschrieben: „Der Organismus kann also Reize und deren Bedeutung für den Organismus unterscheiden, ohne, dass höhere Nervenzentren, die bei Vorgängen im Bewusstsein eine Rolle spielen, beteiligt sind. Diese Fähigkeit erlaubt dem Individuum, eine Erfahrung als bedrohlich zu erkennen, ohne dass die Bedrohung im Gewahrsein symbolisiert wurde“ (ebd., S. 31).  Die autonome Reaktion auf die Realität, wie sie unbewusst wahrgenommen wird, ist in der Gegenwart immer zweckvoll, wir reagieren entsprechend.

Eventuell bewusst erleben wir somatische Reaktionen, wie erhöhten Herzschlag, Zusammenschnüren der Kehle, Druck in der Brust, sind uns über den Auslösereiz jedoch meist nicht im Klaren. Diese erlebten Reaktionen können innerlich erfolgen und für Außenstehende unbemerkt bleiben. Wir erleben Körpersensationen sowie Handlungsimpulse, die wir nicht in die Tat umsetzen. Durch Neurozeption hervorgerufene Veränderungen können jedoch auch für andere beobachtbar werden, wenn wir zum Beispiel erröten, am Klang unserer Stimme, unserem Gesichtsausdruck oder veränderter Haltung und Gestik. Neurozeption verfolgt unablässig die Situation, bewertet diese und reagiert darauf.

Allerdings gibt es Ungenauigkeiten, sowie irreführende Reize, die unsere Reaktionen nicht mehr adaptiv, bzw. zielführend gestalten, da „nicht die Realität, sondern die Wahrnehmung entscheidend ist für das Verhalten“ (Rogers, 1951/1973, S. 426). Die Neurozeption kann Fehlern unterliegen, da unser Nervensystem auch dort Gefahr wittert, wo es keine gibt, oder obwohl Gefahr besteht, sich in Sicherheit wiegt. Die Gegenwart kreuzt sich mit der Vergangenheit. Unser Organismus hat bereits Erlebtes in assoziativen Bereichen des Gehirns und weiteren Geweben, wie der Muskulatur oder Bindegewebe gespeichert und ruft dieses bei gefundenen Ähnlichkeiten, im Sinne einer Komplexitätsreduktion ab und erlebt es erneut. Augenblicklich Erlebtes ruft bereits vergangene Erfahrungen ab, verbindet sich mit strukturellem, also bereits vororganisiertem Erleben und beeinflusst so aktuelles Erleben und Verhalten mit. Da die Neurozeption ihre Aufgabe zu erfüllen versucht, den autonomen Zustand auf die Gefahrenlage abzustimmen, wird unterschwellig wahrgenommene Bedrohung aus Gedächtnisspuren in die Beurteilung miteinbezogen und „adaptiv“ darauf reagiert. Somit können auch unsere persönlichen traumatischen und positiven Erlebnisse die Neurozeption aktivieren und mitformen.

Unklare Wahrnehmung von Sicherheit oder Gefahr kann zu dysfunktionalen physiologischen Reaktionen und zum Ausdruck defensiver Verhaltensweisen führen, die für psychische Störungen charakteristisch sind. Dies zeigt sich, wenn eine sichere Umgebung nicht als sicher wahrgenommen werden kann und umgekehrt unsichere Situationen nicht zu nötigem Abstand oder Selbstschutz führen. Menschen mit unterschiedlichsten psychiatrischen Diagnosen fällt es schwer einzuschätzen, ob ein anderer Mensch vertrauenswürdig ist oder die Umgebung sicher. Dies zeigt sich beispielsweise bei Angststörungen und Depressionen, emotional instabilen Störungen, posttraumatischer Belastung, zu deren Diagnosemerkmalen Beeinträchtigung des Sozialverhaltens zählt (vgl. Porges, 2010, S. 202-207). „Das Verhalten […] ist eine Reaktion auf das Feld, wie es wahrgenommen wird. […] Die Reaktion folgt nicht auf die Wirklichkeit, sondern auf die Wahrnehmung der Wirklichkeit“ (Rogers, 1951/1973, S. 425).

Sicherheit durch Verbundenheit

Unsere Augen senden Anzeichen für Sicherheit einer Situation aus und suchen auch selbst nach solchen Anzeichen. Wir erkennen die „Krähenfüsse“ nebst den Augen und damit echtes Lächeln und dies bewirkt Entspannung. Wir suchen die uns bekannte Stimme in den Umgebungsgeräuschen und als wir sie finden, empfinden wir Beruhigung. Wir stimmen unsere Tonlage auf die Situation ein, gehen in eine bestimmte Haltung, öffnen unsere verletzliche vorne liegende Körperseite in Momenten, in denen wir uns unseres Gegenübers sicher sind. „Zwei Elemente sind für eine Neurozeption von Sicherheit erforderlich: die Auflösung von Anzeichen für Gefahr und das Aufspüren von Anzeichen für Sicherheit“ (Porges, 2019, S. 53).

Wie bereits oben beschrieben entspringt der Vagus des autonomen Nervensystems dem Hirnstamm und ist somit ein Kranialnerv, der über etwa 20% motorische und 80% sensorische Fasern verfügt. Der phylogenetisch ältere Pfad, der dorsale Vagus erstreckt sich überwiegend vom Zwerchfell abwärts und wirkt auf die darunter liegenden Organe, beeinflusst hauptsächlich das Geschehen im Bauch und ist insbesondere mit der Verdauung betraut. Der ventrale Vagus hat sich mit dem Übergang zu den Säugetieren entwickelt, ist vorwiegend oberhalb des Zwerchfells aktiv, beeinflusst Herz- und Atemfrequenz, schafft eine Verbindung zwischen Herz und Gesicht und innerviert dabei Teile der Muskulatur des Halses, des Gesichts und des Kopfes. Auf diese Weise lassen sich der Blick über die Augenlieder, der Emotionsausdruck über die Gesichtsmuskeln, die Fähigkeit, die menschliche Stimme aus den Hintergrundgeräuschen herauszufiltern über die Mittelohrmuskeln, die Nahrungsaufnahme (Saugen, Schlucken) über die Kaumuskeln und Speiseröhre, die Vokalisation und Sprachfähigkeit über die Muskeln des Kehlkopfs und der Rachenhöhle, sowie soziale Gesten und Orientierung über die Kopfmuskeln beeinflussen. Auch Bewegungen des Mundbereiches, sowie Speichel- und Tränendrüsen werden darüber gesteuert. Für die Kontaktaufnahme zur sozialen Umgebung und den Aufbau sozialer Verbindungen sind diese Funktionen unverzichtbar. Ihre neuronale Kontrolle wirkt sich auf das eigene und das Erleben des Gegenübers aus (vgl. Porges, 2010, S. 166, 229). „Was in unserem „Herzen“ vor sich geht, lässt sich tatsächlich von unserem Gesicht ablesen“ (ebd., S. 94).

Bevor eine soziale Beziehung entstehen kann, müssen beide Beteiligten einander als ungefährlich wahrnehmen. Das System sozialen Engagements, aktiviert durch den ventralen Vagus, versetzt mittels aufgezählter Funktionen in diesen Zustand der Verbundenheit und Co-Regulation. Die beiden anderen Zustände, sowohl sympathische Aktivierung, als auch dorsal vagale Erstarrung machen es uns unmöglich, in eine prosoziale Verbindung mit dem Gegenüber zu gehen. In diesen Zuständen kann uns auch ein Gesicht mit neutralem Ausdruck als gefährlich erscheinen. Wir sind nicht im Klaren darüber, ob die Person, die wir ansehen, freundlich gesinnt oder gefährlich für uns ist. Das betrifft auch deren Stimme, Haltung, Gesten. Im aktivierten Zustand wechselt die Aktivität des Mittelohrs vom Hören menschlicher Stimmen zum Identifizieren charakteristischer Geräusche von Gefahr, wie niedrige Frequenzen von Raubtieren oder hohe Frequenzen wie Schmerzensschreien, anstatt auf Geräusche zu achten, die mit Verbundenheit assoziiert sind. Durch einen erhöhten Kortisolspiegel schlägt das Herz schneller, der Atem ist kurz und flach und wir halten unablässig Ausschau nach Gefahren in der Umgebung. Diese lauern auch überall, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten wird zu einem viel zu großen Risiko und die Welt zu einem unfreundlichen Ort (vgl. Dana, 2019, S. 38f). Befinden wir uns in einem dieser zwei Defensivzustände, so tritt Bedürfnis nach Sicherheit und Erhaltung des Überlebens in den Vordergrund, bewusste Wahrnehmung, kognitive Leistungen, Genesung, Wachstum und Entfaltung treten in den Hintergrund. Auf der Ebene des Verhaltens kommt die Rückzugstendenz in Form eingeschränkter Nutzung der Muskeln des Gesichts und des Kopfes zum Ausdruck. Sichtbar wird dies durch einen abgeflachten emotionalen Ausdruck, Einschränkung der Mimik, der Gestik des Kopfes, der Fähigkeit, die menschliche Stimme aus Hintergrundgeräuschen herauszufiltern und die Einschränkung der Prosodie (vgl. Porges, 2010, S. 230f). Dies begegnet uns in der Praxis in Form unterschiedlicher Symptombilder, beispielsweise Depression, Autismus, schizoidem Verhalten, der posttraumatischen Belastungsstörung, wie auch spontanem Wechsel von einem sicheren zu unsicheren Erleben. Erleben von Misstrauen droht die Reaktion des Systems beständig zu verstärken.

Menschliche Wesen brauchen, suchen und nützen die Möglichkeit zur Co-Regulation. Bereits durch erste Interaktionen mit der Mutter und weiteren besonderen Anderen lernen diese über Blicke, Mimik, Laute und weitere Interaktionen ihre Bedürfnisse kund zu tun und erfüllt zu bekommen. Anfangs abhängig von zugeführter Nahrung, externer Wärmeregulation und Regulation körperlichen und psychischen Erlebens erwachsen Menschen dieser Abhängigkeit zu einem guten Teil, lernen für sich selbst zu sorgen, angemessen aufeinander zu reagieren und eigene Bedürfnisse mit den wichtigen anderen abzustimmen. Dabei bleibt eine adaptive bzw. „effektive Abhängigkeit“ (Johnson, 2020) bestehen, „die Fähigkeit, auf verlässliche andere zuzugehen, sich auf sie zu stützen und eine „gefühlte Wahrnehmung“ sicherer Verbundenheit zu verinnerlichen. Dies ist die entscheidende Ressource, die es unserer Spezies ermöglicht, in einer unsicheren Welt zu überleben und zu gedeihen“ (ebd., S. 20). „Effektive Abhängigkeit führt zu einer effektiven Koregulation der Emotion und zur Entwicklung eines gesunden, kohärenten Selbstgefühls“ (ebd., S. 60).

Der Vagus wird auch „mitfühlender Nerv“ genannt, durch dessen Aktivitäten wir zu fürsorglichem Verhalten veranlasst werden. Ein vom ventralen Vagus bestimmter Zustand unterstützt von Mitgefühl geprägte Verbindungen. Die Herzfrequenz sinkt, der Blick wird sanfter, die Stimme nimmt einen freundlichen Klang an und wir werden dazu animiert, mit anderen in Kontakt zu treten (vgl. Dana, 2019, S. 39). Begleitet vom Gefühl, in einem Zustand der Sicherheit zu sein. „Andererseits zeigt ein Mangel an Reziprozität oft an, daß eine Beziehung unglücklich und gestört ist. Die Unfähigkeit eines Menschen, auf Reziprozität basierende soziale Beziehungen aufzubauen oder aufrechtzuerhalten, ist für verschiedene psychiatrische Störungen charakteristisch (Porges, 2010, S. 268). Roger (1951/1973, S. 422) schreibt: „Letztlich scheint die Selbstaktualisierung des Organismus in Richtung auf Sozialisierung zu gehen“.

Bereiche des Erlebens von Sicherheit

„Die Polyvagal-Theorie stellt ein neurobiologisches Narrativ zur Verfügung, das die Bedeutung von „Sicherheit“ und die adaptiven Konsequenzen der Entdeckung von Gefahr für den physiologischen Zustand, das soziale Verhalten, das psychische Erleben und die Gesundheit erläutert. Sie versteht klinische Störungen als Probleme der neuronalen Regulation von Schaltkreisen, die Defensivstrategien neutralisieren und die spontane Manifestation von sozialem Engagement ermöglichen“ (Porges, 2019, S. 23).

Die Polyvagaltheorie gibt uns ein Bild davon, in welchem autonomen Zustand für die Person Sicherheit erlebbar wird. Der Zustand von Sicherheit ist gleichsam ein Freisein von Angst und Bedrohung. In einer durch Neurozeption als „sicher“ erlebten Situation befindet sich der Organismus im Bereich physiologischer Entspannung, Stress ist auf ein gesundes Maß reduziert, der körpereigene Hormonhaushalt ausgeglichen, die Atmung erfolgt ruhig und frei, der Herzschlag ist eingependelt, die Organe werden hinreichend mit Sauerstoff und regenerierenden Substanzen versorgt, psychisch sind Gefühle wie Wohlempfinden, Entspannung, Fallenlassen gegeben. Eine Phase der Genesung und Regeneration, des Wachstums und der Entfaltung stellt sich ein. Zudem steigt das Bedürfnis nach Kontakt, sowie emotionaler und körperlicher Verbundenheit. Die Person ist offen für Austausch, für Neues, für Bewusstwerdung und Integration neuer Erfahrung. Neurologisch gesehen befindet sie sich im System sozialen Engagements. Das phänomenologische Erleben dieses Zustandes beschreiben folgende Sätze von Deb Dana (2019, S. 25) „Wie würde es sich anfühlen, in Sicherheit und im Warmen zu sein? Mit starken, aber sanften Armen. Eng angekuschelt, verbunden durch Tränen und Lachen. Frei, teilzuhaben, sich mitzuteilen, zu bleiben, zu gehen …“ recht bildlich.

Diese skizzierte Person hat Ähnlichkeit mit der Person, wie wir sie in der Praxis erleben, die sich sicher fühlt, frei von Angst und Bedrohung, in dem Moment, in dem sie den Mut aufbringt, in der psychotherapeutischen Beziehung neue korrigierende Erfahrungen zu machen, um das organismische Erleben zu symbolisieren und in Selbsterleben überzuführen.

In der Psychotherapie sprechen wir von einem Wirkbereich emotionaler Regulation und Ausgeglichenheit der Person, der Offenheit für Erfahrung, Wahrnehmung und Vertiefung emotionalen Erlebens und damit Veränderung ermöglicht. Auf diesem mittleren Erregungsniveau bei wachem, klarem Bewusstsein (vgl. Claas, 2007, S. 20) können wir der Person auf einer tiefen Ebene menschlicher Beziehung begegnen und damit die psychotherapeutischen Faktoren, die hinreichenden und notwendigen Bedingungen der persönlichen Entfaltung verwirklichen.

Anders die Situation, wenn die Person das System sozialen Engagements verlässt und durch äußere oder innere Reize in sympathische Aktivierung wechselt. Der Organismus macht sich bereit für Kampf oder Flucht, Adrenalin und Kortison werden ausgeschüttet, mit der Atemfrequenz erhöht sich die Herzfrequenz, die Schmerzschwelle wird angehoben, die Verdauung runtergeregelt, Energie für die Extremitäten zur Verfügung gestellt. In der Person entsteht ein Gefühl der Isolation und Gefahr. Auf der Suche nach Sicherheit schneidet sie sich von anderen Personen ab, Co-Regulation ist nicht mehr möglich. Die Person im Praxisraum wirkt zappelig, ist ständig in Bewegung, hält in der Umgebung unablässig nach Gefahren Ausschau. Die kämpferische Haltung wird spürbar, der Klang der Stimme herausfordernder, vielleicht gibt es Aussagen wie: „Ich hätte heute gar nicht kommen sollen. Ich will gar nicht hier sein. Was soll mir das bringen?“. Unserem therapeutischen Auge zeigt sich eine Person, die sich in einem aktivierten emotionalen Zustand der Angst befindet und im Moment auf der Beziehungsebene schwer erreichbar ist, da sowohl kognitive Funktionen, Wahrnehmungsvermögen, als auch Fokussierung auf die menschliche Stimme des Gegenübers physiologisch eingeschränkt sind. Dieser Zustand kann sich etwa so anfühlen: „Die Angst flüstert mir etwas zu, und ich spüre die Macht ihrer Botschaft. Bewege dich, werde aktiv, fliehe. Man kann niemandem vertrauen. Kein Ort ist sicher …“  (Dana, 2019, S. 26).

Wenn sich die Person vor uns in der Praxis im Zustand der Immobilisierung durch Furcht befindet, der uralte neuronale dorsale Vagusschaltkreis aktiviert ist, erlebt sie dies oftmals als Dissoziation, Depression oder Rückzug aus sozialen Kontakten. Ihr Energiebedarf wird durch Erstarren verringert, eventuell erkennbar an der Verfärbung der Haut, dem flachen Atem, runter geregeltem Herzschlag, erstarrtem Blick. Die Verbindung zu anderen ist unterbrochen und so ein schützender Zustand des Nicht-Gewahrseins herbeigeführt. Die Person erscheint wie betäubt oder „nicht hier“, bewegungslos. Die Person starrt vielleicht aus dem Fenster, oder gegen den Boden, der Blick ist ausdruckslos, die Haltung zusammengesunken. Sie ist verstummt, unfähig zu sprechen, ohne dabei zur Ruhe zu kommen. Das Gegenüber spürt den Versuch der Person in Kontakt zu treten, jedoch findet diese niemanden, mit dem dies möglich ist. „Ich bin in weiter Ferne an einem dunklen, unfreundlichen Ort. Ich gebe keinen Laut von mir. Ich bin klein und still und atme kaum. Allein an einem Ort, an dem mich nie jemand finden wird …“ (ebd., S. 27). Dieser Zustand ist gut bekannt von Traumaüberlebenden, wenn ihr Traumaerleben durch Intrusionen reaktiviert wird und oben beschriebener Zustand der Konstriktion eintritt. Hierzu auch Claas (2007, S. 11f).

Klar wird, dass sowohl im sympathisch aktivierten, als auch immobilisierten Zustand mit wenigen Ausnahmen (siehe unten) keine Offenheit für Erfahrung und somit psychotherapeutische Veränderung möglich sind. Zudem wechselt die Person nicht so leicht in einen neurophysiologischen „Normalzustand“ zurück, in dem es ihr möglich ist, sich auf die Prozesse sozialen Engagements einzulassen und somit die psychotherapeutische Beziehung.

 „Sind Menschen in diesem Zustand gefangen, der sozialer Interaktion und dem Gefühl der Sicherheit nicht förderlich ist, entwickeln sie sehr komplizierte Narrative darüber, warum sie nicht sozial interagieren wollen und weshalb sie anderen Menschen nicht vertrauen … was nichts anderes heißt, als dass sie ihre viszeralen, physiologischen Empfindungen deuten. Ihr Nervensystem erkennt Gefahren, wo keine sind, und sie versuchen, mit dieser komplizierten Situation zurecht zu kommen. Mit Hilfe des Narrativs, das sie entwickeln, versuchen sie ihre Sicht zu untermauern“ (Porges, 2019, S. 77f).

Daraus folgt, dass Psychotherapeut*innen für traumatisierte Klient*innen zunächst eine Gefahrenquelle sind und den Klient*innen zunächst die Möglichkeit geben, solange zu manövrieren und verhandeln, bis sich diese ausreichend sicher fühlen und sich ihr physiologischer Zustand verändert, sodass Offenheit für Erfahrung und Entfaltung möglich wird. Die personzentrierte Grundhaltung begleitet auf diesem Weg.

Ergänzend sei erwähnt, dass auch die zwei Defensivsysteme Bereiche bieten, in denen ein Maß an Sicherheit gegeben ist, das Interaktion möglich macht. Zum einen soziale Interaktion erforderndes Spiel, welches voraussetzt, die sympathische Erregung durch soziale Interaktion und mit Hilfe des Systems für soziales Engagement zu verringern. Dabei erfolgt in leicht aggressiv aufgeladenen Situationen schnelle Klarstellung durch Face-to-Face-Kommunikation, verbunden mit einem angemessenen Ausdruck von Betroffenheit und Empathie. Zum anderen Immobilisation ohne Furcht, dies ist beispielsweise bei sexueller Verbindung der Fall, wobei die dem physischen Kontakt zugrundeliegende Absicht als liebevoller Ausdruck eingeschätzt wird. Unterstützung findet dieses System im Neuropeptid Oxytocin. (vgl. ebd., S. 298).

Täglich vollziehen wir einen Wandel von Zuständen der Verbundenheit über Aggression zu Immobilisation und umgekehrt. Aus dem System sozialen Engagements heraus können wir diese auch ohne den Wechsel in eines der Defensivsysteme vollziehen. Auch dabei unterstützt uns der ventrale Vagus in seiner Funktion als Vagusbremse. In dieser Aufgabe stabilisiert er die Herzfrequenz auf ca. 72 Schläge pro Minute, ansonsten schlüge das Herz gefährlich schnell. Ohne in die sympathische Aktivierung wechseln zu müssen, kann so der vagale Tonus Energie aktivieren, indem er diese Bremse löst, ohne dabei Kortisol und Adrenalin auszuschütten. Bei Gefahr wird jedoch die Vagusbremse vollständig gelöst und das Sympathische Nervensystem übernimmt die Führung.

Wenn wir schnell die Herzfrequenz erhöhen oder senken, bei alledem jedoch den vagalen Tonus aufrechterhalten wollen, tut die Vagusbremse gute Dienste, um dies mit einer gewissen Leichtigkeit vollziehen zu können. Personen, die in der Kindheit wenig Möglichkeit der Co-Regulation erfahren haben, konnten auch diese Vagusbremse nicht ausreichend trainieren. Ähnliches gilt für Personen, die Trauma erfahren haben, deren schnelle Regulierung und leichter Wechsel durch traumatische Erlebnisse beeinträchtigt ist. Schon kleine Augenblicke des Leidens erscheinen als zu große Herausforderung für ihre Vagusbremse (vgl. Dana, 2019, S. 42f).

Sicherheit in der therapeutischen Beziehung
des personzentrierten Ansatzes

Mit der Polyvagaltheorie der Neurozeption haben wir bisher adaptive physiologische und psychologische Formen der Bewältigung kennengelernt, um uns auf Situationen von Sicherheit, Gefahr und Lebensgefahr einzustimmen. Dabei greifen wir je nach Anforderung auf eine Fülle an lebenserhaltenden und lebensentfaltenden physiologischen Steuermechanismen und Regulationen zu. Die situative Einschätzung übernimmt dabei unterhalb der Schwelle der Gewahrwerdung die Neurozeption, eine Art sechster Sinn, Intuition, die einen Teilbereich dessen abzudecken scheint, was Rogers (1973, 2016) mit dem Begriff „Subception“ beschreibt. Dabei überprüft unser Nervensystem unablässig die Umgebung, um die Situation und unser Gegenüber als sicher, bedrohlich oder lebensbedrohlich einzustufen. Als Ergebnis wechseln wir in einen adaptiven autonomen Zustand, entweder die Verbundenheit mit uns Selbst und Anderen oder sympathische Aktivierung oder einen dissoziativen Zustand. All das macht Sinn, um einerseits Überleben zu sichern und andererseits Wachstum und Entwicklung zu fördern.

Doch was geschieht, wenn die Neurozeption gestört ist? Rein theoretisch könnte eine dysfunktionale Neurozeption die Ursache verschiedener psychischer Störungen sein (vgl. Porges, 2019, S. 38).

„Könnte dagegen ein Mensch völlig offen gegenüber seiner Erfahrung sein, dann würde jeder Reiz, ob im Organismus oder in der Umwelt entstanden, ungehindert durch das Nervensystem weitergeleitet, ohne von irgendeinem Abwehrmechanismus verzerrt zu werden. Man benötigte nicht den Mechanismus der „Subzeption“, der den Organismus im voraus vor einer das Selbst bedrohenden Erfahrung warnt“ (Rogers, 1961/2016, S. 187). Dies betrifft sowohl Reize von außen als auch von in der Person kommend, von sensorischen Empfindungen bis hin zu Erinnerungsspuren. Das Selbstkonzept wäre eine bewusste Symbolisierung, völlig kongruent mit dem Erleben, frei jeder möglichen Bedrohung (vgl. Rogers, 1959/2016, S. 38). Rogers (1951/1973, 1961/2016) spricht vom theroretischen Modell dieser „fully functioning person“, Gendlin (2008, S. 109) vom „Idealmodell“, wobei es diese „komplette Person“ natürlich nicht gibt.

Damit diese aus dem Organismus stammenden oder von außen kommenden Reize als Erfahrung in das Selbst integriert werden, benötigt es eine zweifache Bewertung. Biermann-Ratjen (Biermann-Ratjen et al., 1995, S. 84) schreibt dazu: „Die in das Selbstkonzept integrierten Erfahrungen sind also immer auch bewertete Erfahrungen, sowohl organismisch als auch sozial. Die soziale Bewertung lautet: der unbedingten positiven Beachtung bzw. der Anerkennung wert. Die organismische Bewertung lautet: mit diesem oder jenem Affekt verbunden“. Diese organismische Erfahrung, ausgelöst durch äußere oder innere Reize, muss unmittelbar wahrnehmbar sein, körperlich spürbar, eine affektive Färbung aufweisen, eine „ziel-suchende Anstrengung“ (Rogers, 1951/1973, S. 426)  beinhalten, von zeitumspannender „existentieller“ (Greenberg, 2016, S. 55f, S. 68) Bedeutung sein und sich „fortsetzen“ (Gendlin). Um diese Erfahrung in das Selbstkonzept zu integrieren braucht es zudem ein Gegenüber in Form einer besonderen anderen Person, die das Erleben des Gegenübers exakt so erfährt, wie die Person selbst. Trifft all dies zu, kommt es zu einer exakteren Symbolisierung der Erfahrung in die Selbststruktur. Dieser „Prozess des Werdens“ (Greenberg, 2016, S. 16) „formt aus der gelebten Geschichte unserer Erfahrung eine erzählte Geschichte“ (ebd., S. 50), als „Schlüssel zu adaptiver Identitätsentwicklung und zur Bildung eines differenzierten, kohärenten Selbstbildes“ (ebd., S. 68).

Den Begriff Symbolisierung verwendet Rogers (1959/2016, S. 29) synonym mit den Begriffen Gewahrwerdung und Bewusstsein, als den Teil unserer organismischen Erfahrung, der die Selbststruktur speist. Die Qualität der Symbolisierung ist dabei bedingt durch ihr Ausmaß an Klarheit und Umrissenheit, wie auch inhaltliche Vollständigkeit. Entsprechend kann organismische Erfahrung exakt in die Selbststruktur symbolisiert werden, oder aber unvollständig, verzerrt und auch ganz von der Symbolisierung ausgeschlossen werden (vgl. Höger et al., 1997, S. 54f). Es entsteht dabei ein Abbild der Realität, ein Selbst, zusammengesetzt aus Wahrnehmungen, das seinerseits stets die Qualität dieser Abbildung hat. „Das bedeutet: je größer das Gebiet der Erfahrung ist, das nicht bewußt ist, desto unvollständiger ist das Bild“ (Rogers, 1951/1973, S. 428), gleichsam entwickelt sich ein Teil des gesamten Wahrnehmungsfeldes nach und nach zum Selbst (vgl. ebd., S. 429). „Entsprechend ist dann die bewusste Erfahrung ein mehr oder weniger getreues Abbild der Erfahrungen des Organismus. […] Wenn ein erstes Selbstbild entstanden ist, sind es also zwei Instanzen, nach deren Maßgaben die Erfahrungen einer Person verarbeitet werden: nach denen des Organismus und nach denen des Selbst. […] Es besteht Kongruenz, wenn die Erfahrungen des Organismus samt deren Bewertungen […] vollständig und genau symbolisiert werden können. […] Die Person befindet sich als mit sich selbst im Einklang und in einem weitgehend ausgeglichenen und sicheren Zustand“ (Höger et al, 1997, S. 63, Hervorh. d. d. Verf.).

Dies „mit sich selbst im Einklang befinden“ wird im personzentrierten Ansatz als Kongruenz zwischen Selbst und Erfahrung bezeichnet, der möglichst exakten Übereinstimmung zwischen organismischer Erfahrung und Selbstkonzept. Je unvollständiger, lückenhafter, ungenauer oder aber verzerrter die Übereinstimmung, desto mehr ist das Ergebnis der Symbolisierung eine Inkongruenz zwischen Selbst und Erfahrung. „Der Person sind ihre inneren psychischen Prozesse nur begrenzt zugänglich und sie besitzt ein wenig realistisches oder gar unrealistisches Abbild ihrer selbst und ihrer Umwelt. […] Damit ist Inkongruenz zwischen Selbst und Erfahrung die Grundlage für Störungen des Verhaltens und Erlebens […] Die spezifische Symptomatik richtet sich dann in der Regel nach den in der bisherigen Entwicklung „gebahnten“ Verhaltensmustern“ (Höger, 2000, S. 8).

Für die Psychotherapie sieht Höger als „Fernziel“ die Fähigkeit des Organismus zur Selbstheilung, sich bei Störungen selbst zu reorganisieren, sofern die Umwelt die dafür förderlichen Bedingungen liefert. Die beiden Aspekte der Aktualisierungstendenz des Organismus, Erhaltung und Entfaltung greifen wechselseitig ineinander über im Wandel der Entstehung und Überwindung von Störungen. Als Ziele im gegenwärtigen Moment der therapeutischen Beziehung bedingt der Zustand der Sicherheit die Möglichkeit zu explorativem Verhalten. Therapeut*innen können dabei den Zustand der Sicherheit und selbstexplorierendes Verhalten nicht herstellen, dies untersteht den Organisationsregeln des jeweiligen Organismus, doch sich darum bemühen, die Merkmale unbedingt positiver Beachtung und emphatischen Verstehens so zu realisieren, dass sie von der Person in dessen gegenwärtigen Zustand auch so erfahren werden können. Diese beiden Bedingungen zu erfüllen ist Therapeut*innen nur soweit möglich, als sie Erfahrung, bei ihnen durch Klient*innen verbal oder nichtsprachlich ausgelöst, ihrerseits exakt zu symbolisieren vermögen, sie also selbst kongruent sind (vgl. ebd., S. 6-12).

Rogers (1957/1991) formuliert  für den therapeutischen Prozess sechs notwendige und hinreichende Bedingungen der Persönlichkeitsveränderung. Dabei stellt er die Hypothese auf, „daß eine gesicherte Persönlichkeitsveränderung nur in einer Beziehung auftritt […] [w]enn jeder dessen gewahr ist, mit dem anderen in einem personalen oder psychologischen Kontakt zu sein“ (ebd., S. 178). „Die erste Person, die wir Klient nennen, befindet sich in einem Zustand der Inkongruenz; sie ist verletzlich oder voller Angst“ (Rogers, 1959/2016, S. 46). Für Therapeut*innen ist es hinreichend, in dieser Beziehung echt, genau in diesem Augenblick sie selbst zu sein (vgl. Rogers, 1957/1991, S. 179) und für Klient*innen Bedingung, dass sie in einem minimalen Ausmaß das Akzeptieren und die Einfühlung wahrnehmen, die Therapeut*innen für sie empfinden (vgl. ebd., S. 181).

Sicherheit durch den Körpereinbezug in die personzentrierte Praxis

Präsent in Raum und Zeit werden Therapeut*innen zu Zeug*innen des aktuellen Erlebens der Klient*innen. Mittels körperbasierter Empathie und körperbasierter bedingungsfreier Anerkennung werden Klient*innen in ihrem Erleben vollständiger und besser verstanden. Aus personzentrierter Perspektive liegt ein Schwerpunkt auf der Gewahrwerdung und dem nichtbewertenden Annehmen eigener Körpersignale und Körperempfindungen auf beiden Seiten in der Beziehung befindlicher Personen (vgl. Kern, 2015, S. 84ff). Der Körper ist hierbei ein flexibler Mittler zwischen Erfahrung und Bewusstsein, zwischen Organismus und Selbst, in einer individuellen charakteristischen Weise an Blockierung, Hemmung, Erstarrung von Körperbereichen (vgl. Teichmann-Wirth et al., 2002, S. 398). Auf einer tiefen, vegetativen Ebene erleben und halten Therapeut*innen dabei über ihre Fähigkeit der organismischen Resonanz ihre Klient*innen (vgl. ebd., S. 397). „[D]er Körper ist Teil und Wegweiser zur ganzen Person. Über den Körper spreche ich die Person an“ (ebd., S. 392). „Über den Körper, der das Instrument für die Handlung ist, wirkt eine Person in der Welt“ (ebd., S. 400). „Nur wenn ich mich selbst in meinen körperlichen Aspekten verstehen kann, mich selbst als ein körperliches Selbst erlebe, nur wenn ich selbst gelernt habe, meinem Organismus zu vertrauen, kann ich auch andere empathisch begleiten und eine Entwicklung unterstützen, in der die Angst vor dem eigenen organismischen Erleben geringer wird“ (Doppelhofer, 2000, S. 11). „Die wichtigste Voraussetzung, um sich dem eigenen neuen Erleben zuzuwenden, ist ja die Sicherheit und das Vertrauen der Beziehung, möglichst große Angstfreiheit“ (ebd., S. 13).

Der Person, evolutionär ausgestattet mit physiologischen Steuermechanismen des Überlebens und der Sicherheit, begegnen wir in der Praxis durch unsere organismische Resonanz. Um diese jedoch exakter empathisch verstehen zu können, bedienen wir uns Theorien, wobei mir auf neurophysiologischer Ebene die Polyvagaltheorie eine dienliche Ergänzung zum personzentrierten Ansatz darstellt. Die Polyvagaltheorie gibt uns Aufschluss über erlebte Zustände der Sicherheit und der Bedrohung, diese lassen sich in der Praxis gut unterscheiden und einordnen. Wesentlich dabei scheint mir zu erkennen, in welchem autonomen physiologischen Zustand sich die Person vor und mit mir befindet. Wie wir weiter oben festgestellt haben, ist Präsenz eine notwendige Bedingung für Veränderung, die dann gegeben ist, wenn sich sowohl Klient*in als auch Therapeut*in ein einem Zustand der Sicherheit befinden, dabei emotional zugewandt und im Moment kongruent sind. „Äußere Sicherheit und innere Stabilität sind […] von entscheidender Bedeutung, um zur Ruhe zu kommen und an inneren Prozessen arbeiten zu können. Ob äußere Sicherheit gegeben ist, sollte immer wieder geprüft werden“ (Claas, 2007, S. 38). „Wir sollten die Klient/innen ermutigen, immer wieder zu prüfen, ob wir ihr Vertrauen verdienen“ (ebd., S. 23). Als Indikator für ihr und unser Verstehen. Hierzu zeigt uns die Polyvagaltheorie drei Bereiche auf, den Zustand des „Systems sozialen Engagements“, in dem wir affektiv erreichbar sind und Ausdruck reziprok möglich ist. Zudem verfügen auch die beiden Defensivsysteme über Bereiche erlebbarer Sicherheit, wenn Face-to-Face-Kommunikation, verbunden mit einem angemessenen Ausdruck von Betroffenheit und Empathie möglich sind. All dies spiegelt sich in der Prosodie, den gebotenen Bildern, der Mimik, der Atmung, der Rhythmik, dem „wie kann ich da sein“ wieder und wir spiegeln es dem Gegenüber rück. Unsere vordringlichste und wichtigste Aufgabe besteht darin, das innere Erleben samt seinen Bedeutungen unserer Klient*innen zu spiegeln und zu bestätigen. Wenn wir das, verwurzelt in tiefem Vertrauen zu unserer eigenen organismischen Selbstregulation, konsistent und beständig tun, beginnen unsere Klient*innen innerlich lebendig zu werden, sich zu erinnern und zu spüren, wer sie sind und was sie brauchen (vgl. ebd. S. 23). „Das tiefste Vertrauen ist das in die Selbstorganisation. Es ist das Fundament des Heilungsprozesses“ (ebd., S. 23). Organismus und Selbst dürfen sich ihrer sicher sein.

Antworten auf wechselnde physiologische Zustände der Sicherheit aus der personzentrierten bzw. experienziellen Praxis

Personzentriert-experienzielle Therapeut*innen, die über unterschiedliche körpereinbeziehende Zugänge verfügen, antworten auf nachfolgende Frage.

„Inwieweit bewusst be(ob)achten Sie wechselnde physiologische Zustände erlebter Sicherheit und Bedrohung an Ihren Klient*innen im wechselseitig wirksamen Kontakt personzentrierter bzw. experienzieller Praxis?“

„Ich bemerke die wechselnden physiologischen Zustände sehr deutlich und seit ich mit der Polyvagaltheorie vertraut bin, nutze ich dieses Wissen auch, um die KlientInnen damit vertraut zu machen.

Ich nehme den Shut Down in einer reduzierten Prosodie und Atmung, in einem Zusammengesunkensein und allgemein Zurückgenommen sein wahr. Ich versuche dann bewusst im Sinne der Co-Regulation die Menschen durch bewusstes Bezogensein, aber auch teilweise durch Übungen aus dem EMDR ins Hier und Jetzt zu holen. 

Wenn eine sympathikotone Erregung da ist, dann setzen sich die KlientInnen oft nach vor, sie ballen die Fäuste, die Gesichtsfarbe wird errötet, die Stimme lauter.

Ich lasse sie dann - entweder imaginativ, wie ich es von Gendlin gelernt habe, diesen Ausdruck visualisieren, indem ich zuerst frage, in welche Richtung die Erregung einen Ausdruck finden will - z.B. in den Hals und Mund - Schreien, Arme - Schlagen, Beine - Kicken, d.h. welcher Impuls wäre das dann?

Auch lasse ich eine Szene bisweilen in der Vorstellung verändern: Beispiel: Klientin geht zur Chemo ins Krankenhaus, wird schlecht behandelt, fühlt sich ohnmächtig und ausgeliefert - Shut down. Ich lasse sie dann die Szene reinszenieren: Sie stellt die Krankenschwester zur Rede, wischt heftig alles vom Tisch, weist ihr die Tür - alles in der Vorstellung. Dann lass ich sie spüren, wo sie dabei körperlich die Kraft spürt“.
(Beatrix Teichmann-Wirth, persönliche Email, Sa. 15.01.2022 22:43)

 

 „Als Focusing-orientierte Therapeutin beziehe ich den Körper jederzeit in den Prozess ein, allerdings eher ganzheitlich. Auf physiologische Parameter achte ich sicher im Hintergrund, wenn sie sehr auffällig werden, arbeite ich auch direkter mit ihnen“.
(Petra Claas, persönliche Email, Mo. 17.01.2022 12:11)

 

„Mein eigenes Nervensystem ist mir ein guter Co-Therapeut geworden - es hilft mir, die Shifts meines Gegenübers von ventral zu sympathikoton zu dorsal mit zu verfolgen. Und dabei selbst dafür zu sorgen, im verbundenen, ventralen Zustand verankert zu bleiben, so dass das Nervensystem meines Gegenübers sich eingeladen fühlt, ein Stück mehr oder überhaupt wieder Verbindung zu wagen – Verbindung zu eigenen verletzlichen Emotionen, zum eigenen Körper, zu mir als Übergangsbindungsfigur und zur anwesenden Partner*in. Wenn das möglich ist, und selbst nur einen kleinen Moment, spüre ich bei mir meist einen tiefen autonomen Atemzug. Oft ohne drüber Nachzudenken hört mein Gegenüber dann von mir ein leises „Ja, genau...“. Das sind wertvolle Momente, kleine Inseln von „Sicher-genug“-Sein“.
(Christine Weiß, persönliche Email, Mo. 17.01.2022 18:53)

 

„Doch immer. Nicht immer gleich im Vordergrund, aber das ist doch für uns personzentriert-experientiellen KörperpsychotherapeutInnen immer eine wichtige Dimension. Wieweit da Zusammenhänge mit der Polyvagaltheorie bestehen habe ich mir allerdings nie überlegt“.
(Ernst Juchli, persönliche Email, So. 06.02.2022 11:43)

 

„Während einer Sitzung bin ich mir meines eigenen physiologischen Zustands sehr bewusst und vertraue, dass meine Spiegelneuronen gute Arbeit leisten. Wo beide Partner traumatische Erfahrungen in ihrer Kindheit erlebt haben, ist die EFT-Arbeit mit Paaren herausfordernd. Hier können physiologische Zustände sich sehr abrupt ändern und in der Paardynamik zu explosiven Zuständen führen. Experientielle EFT-Interventionen wie Verlangsamen, Spiegeln, Umdeuten und Validieren sind hier unerlässlich. Momente von Fehleinstimmung meinerseits gefolgt durch Reparatur erfahre ich bei diesen Paaren als einen wesentlichen Teil des therapeutischen Prozesses“.
(Hendrik Weiß, persönliche Email, Mo. 07.02.2022 09:16)

 

„Bedrohung kann ich als Gegenreaktion auf die/den Klient:in erleben. Für meine "Sicherheit" im Sinne von hier uns jetzt präsent bleiben, benötige ich meinen FreiRaum (siehe Focusing). ... . Und die Erfahrung ist klar, verliere ich meinen FreiRaum im Kontakt, also auch meine Kongruenz, so ist mein  Gegenüber vermutlich auch nicht im Hier und Jetzt. ... Jede Unsicherheit von mir begrüße ich sehr freundlich, denn sie gibt Hinweise und Antwortmöglichkeiten zum Gegenüber. Also ist es eine große Chance für die Arbeit. Unsicherheit und Bedrohung sind wunderbare Helferempfindungen in der Arbeit.

Ich finde für die differenzierte body-environment interaction in der Therapie den Ansatz der Polyvagaltheorie zu platt und undifferenziert - es geht ja wirklich um ganz viel viel mehr als Sicherheit, Bedrohung, Flucht ... . Zugleich ist es wunderbar, dass die Polyvagaltheorie, Körper und Hirn, in einer physiologischen erforschbaren Weise vorhanden ist. Sie bestätigt mehr als genau den philosophischen Ansatz von Focusing. Wobei die Erkenntnisse von Gendlin hoch differenziert und auch subtil sind“.
(Klaus Renn, persönliche Email, Do. 10.02.2022 08:57)

 

„Bevor jemand beginnt einen Schritt vorwärts zu machen, dadurch mehr spürt und in Verbindung mit Anderen und der Welt tritt, braucht er oder sie die Sicherheit, selbst und uneingeschränkt sowohl über Inhalt als auch Tempo dieser Schritte entscheiden zu können. Per Definition bedeutet Schritte machen das Zerstören des Gleichgewichtes, was nur tolerabel ist, wenn das Vertrauen da ist, dass man sich zurückziehen und neu schützen kann. Wenn dies zu bedrohlich oder schmerzhaft ist, oder wenn es sich zeigt bzw. klar wird, dass die Schritte zu groß sind, zu früh, ist nicht die richtige Zeit oder möglicherweise nicht die richtige Person gegenüber, um all das mittragen zu können.

Prä-Therapie hat für die therapeutische Arbeit „nur“ zur Verfügung, was sich Hier und Jetzt zeigt. Sie ist daher auf hohe Aufmerksamkeit und Achtsamkeit angewiesen, auch gegenüber dem, was beim Gegenüber körperlich abläuft und sich zeigen mag. 

Wenn man vermutet, dass das Reflektieren dieser vorbewussten und unkontrollierten Körpersprache zum Kontakt beitragen kann, kann der/die Betreuer/in diese Äußerungen an Hand von Reflexionen sprachlich oder sogar körperlich anbieten. Man reflektiert ohne zu interpretieren, versucht weder zu verstehen noch zu bewerten.

In phänomenologischer Weise werden diese Beobachtungen des Körpers empathisch gespiegelt und ermöglichen der Person ein breiteres Bewusstsein und damit auch eine größere psychologische Freiheit zu einem „Ja“ oder „Nein“, um das, was jetzt besser spürbar und/oder sogar bewusst geworden ist, genauer zu betrachten, weiter zum Ausdruck zu bringen bzw. zu leben“.
(Dion Van Werde, persönliche Email, Do. 10.02.2022 10:46)

 

„Wenn man so will, ist ja Rogers kompletter Ansatz mit den Beziehungsgrundbedingungen ein Versuch, maximale emotionale Sicherheit herzustellen als Basis für eine gute Selbstexploration.

Natürlich ist es in der therapeutischen Praxis wichtig, auf Anzeichen (psychische und körperliche) für Erstarrung, Freeze, Dissoziation zu achten, das mache ich täglich, und personzentriert versuche ich erstmal zu verstehen und zu spiegeln, was ich sehe und spüre (anstatt sofort zu versuchen es wegzubekommen, wie die VT das gerne macht). Das gilt übrigens für Gruppen ebenso wie für die Einzelsituation, bei traumanahen Patienten kannst du eine ganze Gruppe in solchen herabregulierten Zuständen im Raum haben. Als (Körperpsycho)Therapeut überlegt man dann, was so eine Gruppe (oder Einzelpatientin) jetzt bräuchte, um in einen Arbeitszustand zu kommen und um sich selbst wahrnehmen zu können (ein aktivierendes Angebot, eine Achtsamkeitsübung, emotionale Bindung erleben können, Bezug auf Körpergrundrhythmen wie Atmen, Schwingen, Gehen, etc.)“.
(Ernst Kern, persönliche Email, Do. 10.02.2022 16:21)

 

Diesen Antworten namhafter Kolleg*innen reihe ich nun meine Erfahrungen an, das praxisnahe Erleben im therapeutischen Raum. Und dieser Raum bedeutet gleichsam den Raum, in dem Therapie stattfindet, wie auch den Raum in der Person, den Personen mir gegenüber, den Raum in mir und auch den Raum zwischen und um uns. Dieser Raum ist von großer Bedeutung, denn in ihm verdichtet sich das Erleben der aktuell und der jeweils biografisch anwesenden Personen. Die dort und damals erlebte Sicherheit bestimmt die hier und jetzt erlebbare Sicherheit mit, einst erlebte Bedrohung bedroht auch hier. Diesen Raum gilt es durch meine Person sicher zu machen und zu halten. Sichtbar wird dies in unserem Beisammensein und im Vermögen jeder einzelnen Person da zu sein. Auf basaler Ebene an Atem, Herzschlag, innerer und äußerer Bewegtheit und Stimme erkennbar.

Ein Dasein im System sozialen Engagements, wie die Polyvagaltheorie den zugewandten, präsenten, koregulierten Zustand nennt, nehme ich in einem Mitschwingen mit der Person und ihren und meinen Äußerungen war. Ich wende mich ihr zu, wir teilen unsere Körperhaltung, unsere Atmung gleicht sich an, Mimik und Gestik beginnen miteinander zu tanzen, unsere Stimmen schwingen sich aufeinander ein, Zeit und Raum beginnen zu verschwimmen, wir (er)leben im Hier und Jetzt, brauchen nur noch uns für diesen Augenblick. Dies gleicht dem behutsamen Wiegen ihres Kindes in den Armen der Mutter, mit weichem Blick und sanfter Stimme.

Kampf und Flucht, diesen Zustand sympathischer Aktivierung in all ihrer Deutlichkeit beobachte und erlebe ich in der Praxis besonders bei Paaren, die eskaliert und in äußerster Not jegliche Verbundenheit und Möglichkeit der Koregulation verlieren. Um diese wieder einzubinden und in einen Zustand der Sicherheit, damit auch einen arbeitsfähigen Modus zu bringen, stelle ich mich als Übergangsbindungsfigur zur Verfügung. Mittels Regulation meiner eigenen Aktivierung, damit meine ich, in mich rein zu spüren und eigene Atmung und Herzfrequenz zu regulieren, meine Stimme weich und leise zur Verfügung zu stellen, mich körperlich den Personen mir gegenüber zuzuwenden, meine Worte einfach und klar zu wählen, beruhigende Schlüsselwörter und Phrasen einige Male zu wiederholen und das Arbeitstempo zu verlangsamen, versuche ich einen Raum zu schaffen, der frei von Bedrohung ist. Nun ist echte Begegnung möglich. Sobald dies gelingt, kann das Sammeln von Affektelementen erfolgen, dem körperlichen Empfinden, den Gefühlen, der Bedeutung und gespürte Veränderung reflektiert werden. Im Voranschreiten des Prozesses gelingt es den Partnern stets besser sich  gegenseitig zu regulieren, meine aktive Präsenz kann in Dasein übergehen.

Geht im aktuellen therapeutischen Prozess eine Person in Notabschaltung, die vagale Erstarrung, gleicht dies vielfach einem Kollabieren, einem in sich zusammenbrechen. Der Atem ist kaum wahrnehmbar, die Körperhaltung wirkt eingefallen, die Haut zeigt Blässe, Sprechen scheint unmöglich, Angst und Bedrohung spannen den Raum. Nun gilt es dieser Bedrohung auf die Schliche zu kommen, als Therapeut zuerst in mir selbst, im Nachspüren des Erlebens im Gegenüber, um sodann möglichst sicher über stimmige Worte das Gegenüber zu erreichen, anzustimmen und zu reaktivieren, langsam in Bewegung zu versetzen, erst im Innersten, dann durch eigene zur Verfügung gestellte Atmung und Bewegung nach außen auszubreiten, über Augen, Ohren und Mund, durch meine Mimik und Gestik als Spiegel den gesamten Organismus neuronal zu stimulieren, koregulieren, den Übergang in einen sicherer erlebten Zustand anzustoßen und somit ein Verarbeiten des Erlebten erst möglich zu machen. Emphatisch, kongruent, unbedingt positiv beachtend.

 

Als Antwort auf die Fragestellung dieser Arbeit: „Welche Bedeutung hat die Polyvagaltheorie für die personzentriert-experienzielle Praxis vor dem Hintergrund wechselnder physiologischer Zustände der Klient*innen und Psychotherapeut*innen, bedingt durch erlebte Sicherheit und Bedrohung im psychotherapeutischen Raum?“ machen obige Stimmen aus der Praxis neben beschriebenen Konzepten deutlich, dass uns die Polyvagaltheorie zumindest in zweierlei Hinsicht dienlich sein kann. Einerseits um Klient*innen und andererseits uns Therapeut*innen in der Therapiesituation besser zu verstehen und feinfühlig für notwendige und hinreichende Bedingungen zu sorgen, diesen Raum sicher zu gestalten. Jeweils „in ihrer ur-eigenen Präferenz der Zugangsweise, welche sich sodann in einem angstfreien Raum der Akzeptanz und des Vertrauens in die Selbstaktualisierungstendenz erweitern und entfalten darf“ (Beatrix Teichmann-Wirth, 2002, S. 407), theoretische Konzepte als Werkzeuge zu verstehen, „den Lebens- und Erkenntnisprozess nicht einzufangen, sondern ihn fortzusetzen“ (Gendlin, 2008, S. 22). „Dann dankt man dem Konzept, stellt es beiseite und geht mit den Dingen weiter, die es hervorgehoben hat. […] Das, was man bemerkt hat, braucht man aber dann nicht in dieser Theorie auszudrücken, man kann es neu ausrücken“ (ebd., S. 112). So verstehe ich die Polyvagaltheorie, wie auch andere, als Landkarte, als Bezugsrahmen, denn „Konzepte sind immer im Erleben drinnen“ (ebd., S. 76f).

Literaturverzeichnis

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Thomas Groinig, Mai 2022

Schriftliche Arbeit im Rahmen der fachspezifischen Ausbildung „Personzentrierte Psychotherapie“
im FORUM - Personzentrierte Psychotherapie, Ausbildung und Praxis

Ich danke Mag. Dr. Christan Metz für die Begleitung bei dieser Arbeit und darüber hinaus,
MMag. Katrin Draxl für den Anstoß, mich auch persönlich in die Arbeit einzubringen. 

Gelesen 89 mal Letzte Änderung am Freitag, 05 Januar 2024 11:34

Psychotherapie, Beratung, Supervision
Spezialisierung Paar-, Familien- und Sexualtherapie